Selbstfürsorge beginnt mit Wahrnehmen
- Ute Rosenzweig
- 6. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Wenn wir an Selbstfürsorge denken, haben viele von uns sofort Bilder im Kopf: Ein heißes Bad. Ein Spaziergang im Wald. Ein Wellness-Wochenende. Das alles kann Selbstfürsorge sein. Und doch beginnt sie für mich an einer ganz anderen Stelle.
Nämlich dort, wo wir überhaupt erst wahrnehmen, wie es uns gerade geht. Viele Menschen, die ich kenne – mich eingeschlossen –, sind geübt darin zu funktionieren.
Wir erledigen unsere Aufgaben, halten Termine ein, kümmern uns um andere. Oft merken wir erst am Abend, dass wir den ganzen Tag kaum einmal innegehalten haben. Oder erst dann, wenn der Körper deutliche Signale sendet.
Erschöpfung, innere Unruhe, schlechter Schlaf, Verspannungen oder sogar Schmerzen. Dabei sind das meist nicht die ersten Warnzeichen. Unser Körper spricht oft schon viel früher mit uns. Nur oft haben wir verlernt, genau hinzuhören.
Selbstfürsorge ist kein Luxus
Häufig wird Selbstfürsorge als etwas dargestellt, das man sich gönnt, wenn Zeit übrigbleibt. Für mich ist Selbstfürsorge eine Fähigkeit. Die Fähigkeit, die eigenen körperlichen, emotionalen und mentalen Bedürfnisse wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Nicht erst dann, wenn nichts mehr geht. Sondern möglichst schon vorher.
Warum wir oft glauben, wir müssten uns einfach mehr zusammenreißen
Was ich stattdessen wahrnehme: Viele Menschen sind enttäuscht von sich. „Eigentlich weiß ich doch, was mir guttun würde. Warum mache ich es trotzdem nicht?" Und sie denken, sie müssten sich einfach nur mehr zusammenreißen. Dabei liegt die Antwort meist nicht in mangelnder Disziplin.
Sondern darin, dass unser Körper über längere Zeit im Stressmodus unterwegs ist. Dann fällt es schwer, innezuhalten. Oder überhaupt wahrzunehmen, was wir gerade brauchen.
Deshalb beginnt Veränderung nicht mit einer weiteren To-do-Liste. Sondern mit einer Frage, die erstmal banal klingt:
Wie geht es mir eigentlich gerade?
Interessanterweise fällt vielen Menschen die Antwort schwer, sobald sie ernsthaft darüber nachdenken. Denn was wir dafür bräuchten, wäre echte Verbindung mit uns selbst. Selbstfürsorge ist der Weg dorthin.

Kleine Schritte verändern mehr als große Vorsätze
Und, was mir ganz wichtig ist: Selbstfürsorge muss nicht perfekt sein.
Sie beginnt oft ganz unspektakulär. Mit einem kurzen Innehalten und einem bewussten Atemzug. Mit dem Wahrnehmen verspannter Schultern. Oder mit dem ehrlichen Eingeständnis: „Ich brauche gerade eine Pause.“ Es sind diese kleinen Momente, die uns helfen können, wieder mehr in Kontakt mit uns selbst zu kommen.
Warum ich die Reihe "Zurück zu dir" ins Leben gerufen habe
Ab dem Sommer 2026 starte ich in Mainz Finthen mit dem Format „Zurück zu dir“ – einem monatlichen Themenabend für Resilienz, Selbstfürsorge und innere Balance.
Die Idee zu dieser Reihe entstand, weil ich mir genau so einen Ort gewünscht habe: an dem Frauen einmal im Monat für 90 Minuten den Alltag hinter sich lassen können. Ohne etwas leisten zu müssen und ohne perfekt sein zu müssen.
Ein Raum, in dem wir gemeinsam den Blick nach innen richten. Mit kurzen fachlichen Impulsen, einfachen Körperübungen und ehrlichem Austausch. Oft tragen wir schon so viel in uns – und dürfen manchmal nur wieder lernen, darauf zu hören.
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